Weinland Türkei

Auch wenn die Türkei nicht gerade als erstes genannt wird, wenn es um Weinländer geht, blickt das Land am Bosporus auf eine Jahrtausend alte Weintradition zurück. Fundstücke belegen, dass es schon im 4. Jahrtausend v. Chr. kultivierte Rebflächen in Anatolien gab. Die Islamisierung des Landes und das damit verbundene Alkoholverbot im 8. Jahrhundert hatten für den Weinbau in der Türkei deutliche Folgen. Erst im 19. Jahrhundert fing man langsam wieder an, den Weinbau systematisch wiederzubeleben. Auch der bekannte Staatsmann und Begründer der Republik Türkei Mustafa Kemal Atatürk bekannte sich als Weinliebhaber und ebnete Anfang des 20. Jahrhunderts den Weg für private Weingüter.

Viele autochthone Rebsorten

Mitte der 1980er Jahre wandten sich die Winzer vor allem den autochthonen Rebsorten zu und setzen seitdem zunehmend auf Qualität. In den letzten Jahren besinnt sich die Türkei wieder auf ihre landeseigene Weinkultur. Inzwischen haben Weine aus der Türkei vor allem in Europa einen guten Ruf erlangt. Laut dem Produzentenverband folgt die Türkei gleich nach Spanien, Italien und Frankreich auf Platz vier der Weinbauländer. Allerdings werden aus den Trauben nur knapp 250.000 Hektoliter Wein gewonnen. Deutschland produziert im Vergleich durchschnittlich knapp neun Millionen Hektoliter Wein. Viele der Trauben werden in der Türkei statt als Wein als Tafeltraube und Rosine vermarktet. Türkische Weine profitieren vor allem von den vielen autochthonen Rebsorten und den deutlichen klimatischen Unterschieden, die in den verschiedenen Anbaugebieten herrschen.

Ägäis und Marmara: die Hauptanbaugebiete der Türkei

Die wichtigsten Anbaugebiete der Türkei liegen in der Ägäis- und Marmara-Region. Hier werden knapp 60 % aller türkischen Weine produziert. Thrakien und das Marmara-Gebiet profitieren vom warmen Küstenklima ihrer Nachbarn Bulgarien und Griechenland. Hier werden nicht nur europäische Sorten wie Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc, Chardonnay oder Riesling angepflanzt, sondern auch lokale Sorten wie Yapincak, Papazkarasi und Adakarasi. In der Ägäis-Gegend und in Westanatolien produziert man knapp 20 % des türkischen Weins. Das milde, mediterrane Klima eignet sich vor allem für Rebsorten wie Sémillon, Grenache und Carignan. Auch Shiraz, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot werden hier gerne angebaut. Zu den lokalen Sorten zählen Bornova Misketi und Sultana. Gerade den autochthonen Rebsorten wird von Kennern besonders viel Potenzial zugetraut. Die weiße Rebsorte Emir, die vorwiegend in Zentralanatolien angebaut wird, eignet sich für trockene Weine und Schaumweine. Die rote Rebsorte Bogazkere gehört zu den besten lokalen Edelrebsorten der Türkei und wird in Südost-Anatolien angebaut. Die Reben sind spätreifend, brauchen einen langen und heißen Sommer, aber sind dafür hinterher besonders aromatisch.

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