Das Weinbaugebiet Pomerol
Am 26. März 2025 · von Theresa WeberPomerol ist eine Appellation im Nordosten der Stadt Libourne, auf der rechten Seite des Ästuars Gironde. Der Bereich Pomerol ist Teil des größten französischen Anbaugebiets Bordeaux. Es werden ausschließlich Rotweine erzeugt. Anders als im Médoc, wo Cabernet Sauvignon die Nummer eins ist, werden in Pomerol primär die Rebsorten Merlot und Cabernet Franc angebaut.
Die Weine von Pomerol – wie auch die aus dem benachbarten Saint-Émilion – standen lange im Schatten der Gewächse von der linken Seite der Gironde. Das änderte sich grundlegend durch zwei Personen, ein Weingut und drei herausragende Jahrgänge.
Pomerol – eine bewegte Geschichte
Obwohl die Weine aus dem Médoc über Jahrhunderte bekannter und gesuchter waren als die Gewächse vom rechten Ufer der Gironde, ist der Weinbau dort wesentlich älter: In Saint-Émilion und höchstwahrscheinlich auch in der Gegend von Pomerol wurde schon in römischer Zeit Weinbau betrieben (das Médoc war damals noch ein von Moskitos heimgesuchtes Sumpfgebiet). Vom Hafen Burdigala aus – so der römische Name von Bordeaux – belieferten die Römer ihre Legionäre in Britannien.
Im Mittelalter wurde hauptsächlich Wein für die heilige Messe erzeugt. Der Weinbau im Libournais endete abrupt mit dem Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich (1337–1453). Die Region wurde zum Hauptkriegsschauplatz. In Castillon, knapp 20 Kilometer südöstlich von Pomerol, wurde die letzte und entscheidende Schlacht dieses Konflikts geschlagen. Danach ging es wirtschaftlich wieder bergauf, wenn auch zaghaft.
Aus dem einstigen Feind England, genauer gesagt Großbritannien, wurde der größte Absatzmarkt für Bordeaux-Weine. Dabei wurden Premier Crus wie Château Lafite vom Adel und dem Bürgertum getrunken und die Mittelschicht erfreute sich an etwas „unbedeutenderen“ Weingütern wie Château Talbot.
Die Weingüter von Pomerol – Schlösser gab es hier keine – waren schlicht zu klein, um den unersättlichen britischen Markt zu befriedigen. „Entdeckt“ wurden die Pomerol-Weine schließlich von den Belgiern und Niederländern, die aus historischen Gründen zwar eher den Weinen des Burgunds zugeneigt waren, die aber die Weine aus Saint-Émilion und Umgebung zu schätzen wussten.
Man muss an diesem Punkt die Person erwähnen, die für den heutigen Erfolg von Pomerol verantwortlich ist: Jean-Pierre Moueix. Dieser Mann gründete 1937 ein nach ihm selbst benanntes Handelshaus. In den folgenden Jahrzehnten erwarb Monsieur Moueix zahlreiche Weingüter, genauer gesagt: fast alle im Libournais. Sein größter Coup war in den 1960er-Jahren der Kauf von Château Petrus. Dieses Weingut genießt aus verschiedenen Gründen eine Sonderstellung. Später mehr dazu.
Kies, Sand und Ton – das Terroir
Pomerol liegt auf einem Plateau, das zum größten Teil aus Kies und einem Unterboden aus Ton besteht. Im Westen des Plateaus haben die Böden einen höheren Sand-Anteil, im Osten enthalten sie mehr Lehm. Château Petrus liegt auf der höchsten Stelle der Erhebung auf einer eisenhaltigen Schicht aus Kies und Ton, die gerade mal einen Meter dick ist. Diese Stelle wird „Knopfloch von Petrus“ genannt und trägt zur einzigartigen Fülle und trüffeligen Aromatik des Petrus-Weins bei. Fülle und Seidigkeit sind übrigens wesentliche Eigenschaften aller Pomerol-Gewächse.
Interessant zu erwähnen ist noch die Tatsache, dass Pomerol einen „Satelliten“ besitzt: die Appellation Lalande-de-Pomerol. Dieses Anbaugebiet schließt im Norden an Pomerol an. Es werden die gleichen Rebsorten verwendet, und das Terroir ist ebenfalls von Kies und Lehm geprägt. Obwohl auch hier ausgezeichnete Rotweine produziert werden, verfügen die Tropfen aus Lalande nicht über das gleiche Renommee wie die Gewächse aus Pomerol. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Cuvée oder nicht Cuvée – die Rebsorten von Pomerol
Die unbestrittene Nummer eins der angebauten Rebsorten ist Merlot. Danach folgen Cabernet Franc und etwas Malbec. Cabernet Sauvignon kommt in der AOP Pomerol kaum zum Einsatz.
Merlot ist eine natürliche Kreuzung aus Cabernet Franc und Magdeleine des Charentes und wurde früher auch „Crabatut noir“ genannt. Ob die Sorte mit diesem Namen genauso erfolgreich geworden wäre, man weiß es nicht …
Im Gegensatz zu beispielsweise Pinot Noir ist Merlot eine relativ pflegeleichte Rebsorte. Sie stellt keine großen Anforderungen an die Böden, auf denen sie wächst, reift früh aus und ist kaum anfällig für Krankheiten wie Mehltau (echten und falschen). Nur Frost und zu große Trockenheit mag sie nicht. Außerdem darf man Merlot nicht ins Kraut schießen lassen, Ertragsbeschränkung ist also Pflicht. Gute Merlot-Weine zeichnen sich durch vollmundige Seidigkeit und opulente Frucht mit Noten von eingekochten Pflaumen und Cassis aus.
Die Gerbstoffe sind sanfter als beim Cabernet Sauvignon, das macht die Weine schon in der Jugend wesentlich zugänglicher. Cabernet Franc, mit seiner bisweilen angenehm rustikalen Kräuterwürze und seinen raueren Gerbstoffen, ist daher ein idealer Verschnitt-Partner.

Die meistangebaute Rebsorte in Pomerol ist Merlot.
An dieser Stelle muss noch einmal Petrus erwähnt werden: Er wird mittlerweile (fast) immer zu 100 % aus Merlot bereitet, ist also keine Cuvée. Pomerol-Weine werden – die der namhaften Erzeuger zumindest – immer in neuen Barriques ausgebaut. Merlot und neues Holz bilden hier ein sehr erfolgreiches Joint Venture.
Große Namen, kleine Châteaux
Wie eingangs erwähnt, haben drei herausragende Jahrgänge dabei geholfen, Pomerol auf dem Radar der Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber zu platzieren: 1945, 1947 und 1949. Diese Wein-Ikonen sind noch heute begehrt und falls man eine davon findet, sollte man sich mental auf einen fünfstelligen Preis einstellen. Es ist kurios, aber obwohl Merlot früh genussreif ist und weniger Säure und Tannine besitzt als Cabernet Sauvignon, können die Rotweine der Region unglaublich gut altern, das beweisen auch Jahrgänge wie 1982, 1985, 1990, 2005 und 2010.
Neben dem schon mehrfach genannten Château Petrus hat das Anbaugebiet aber noch andere Juwelen zu bieten: Die Châteaux Le Pin, La Conseillante, Trotanoy, Gazin, Lafleur, L’Evangile oder Latour à Pomerol sind alle weltweit begehrte Produzenten, was sich (leider) auf die Preisgestaltung auswirkt. Das Gebiet ist eben klein (800 Hektar), und Connaisseurs auf der ganzen Welt wollen die Flaschen besitzen.
Wie anderswo im Bordelais gibt es aber auch in Pomerol nicht nur unbezahlbare Bluechip-Weine: Ein wunderbares und schmackhaftes Beispiel ist der Franc Beauséjour Pomerol aus dem Shop von Weinfreunde.de!
Pomerol in der Weinkritik
Beim Thema Weinkritik muss zuvorderst ein Mann erwähnt werden: Robert Parker. Dieser geachtete Kritiker und erfahrene Verkoster liebt üppige und fruchtige Weine. Weine müssen „hedonistic“ sein, damit sie ihm gefallen, sagt man. Neben den Kreszenzen aus Châteauneuf-du-Pape sagen ihm daher besonders die Gewächse aus Pomerol zu. Seine Publikation „The Wine Advocate“ und sein Buch „Parker Bordeaux“ haben nicht unwesentlich zum Erfolg der Appellation Pomerol beigetragen.
Die rund 140 Winzerinnen und Winzer im kleinen Pomerol erzeugen Jahr für Jahr Top-Weine, die für Begeisterung und hohe Bewertungen seitens der internationalen Wein-Kritik sorgen. Die vergebenen Punkte sind immer im Bereich 95 plus angesiedelt, ganz gleich um welches Weingut es sich handelt. Das macht Pomerol wahrlich zu einem Diamant in der Bordeaux-Krone.