Weinland Neuseeland

Alte Rebsorten in der neuen Welt

Noch nicht lange leuchtet der Stern Neuseelands am Weinhimmel so hell, denn Weine aus Neuseeland wie die Sauvignon Blancs und Pinot Noirs von der Nord- und der Südinsel fanden erst spät den Weg zu uns europäischen Weinfreunden. Sven Reinbold macht für uns eine kleine Weinreise an das andere Ende der Welt. 

Gern unterteilen wir die Weinwelt in eine „alte“ und eine „neue“. Hier die „alten“ europäischen Weinländer, dort die „neuen“ Weinnationen in Amerika, Afrika, Australien und Neuseeland. Dabei zeigt das Beispiel Neuseeland vielleicht am deutlichsten, dass die Bezeichnung „neu“ zwar zu recht gewählt ist, aber daraus noch lange kein Qualitätsurteil abzuleiten ist.

Reden wir über die Anfänge des Weinbaus in Neuseeland, müssen wir gerade mal zwei Jahrhunderte zurückschauen. Im Vergleich mit der Weinkultur rund um das Mittelmeer, wo trinkfreudige Völker bereits vor zwei Jahrtausenden Wein herstellen, nicht viel. Hält man sich jedoch vor Augen, dass Neuseeland erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts auf den europäischen Seekarten zu finden ist, und Händler und Siedler sogar noch später die beiden großen Inseln für sich entdecken, so sind 200 Jahre nicht mehr wenig.

Späte Geburt und strenge Auflagen: Neuseelands Weingeschichte

Als Geburtsjahr des neuseeländischen Weines wird mal 1817, mal 1819 genannt. In beiden Fällen verbirgt sich hinter der Jahreszahl ein Missionar im doppelten Sinne: Denn es waren Männer der Kirche, die auf der Nordinsel bei Kerikeri und Waitangi die ersten Reben anpflanzten. Für den richtigen professionellen Schub sorgte rund 15 Jahre später James Burby, der in Bordeaux das Winzerhandwerk gelernt hatte, und gleichfalls auf der Nordinsel mit der Weinherstellung begann. Die kühlere Südinsel eroberten die Weinbauern erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts.

Lange Zeit schränkten die neuseeländische Gesetze den Verkauf von Wein stark ein, zeitweise waren alkoholhaltige Getränke gar komplett verboten. Erst seit 1960 – kein Tippfehler – ist es Restaurants gestattet, Wein anzubieten und der Kauf in Supermärkten und Lebensmittelläden ist Neuseelands Weinfreunden erst seit 1990 möglich. Wie wichtig diese Öffnung des Binnenmarktes gewesen ist, zeigt die bloße Statistik: Seit 1960 hat sich die Menge der produzierten Weine um mehr als das Zwanzigfache erhöht.

Europäische Rebsorten: Von Müller-Thurgau über Chardonnay zu Sauvignon Blanc

Erst in den 1970er Jahren kamen europäische Rebsorten im größeren Stil auf die Nord- und später auch auf die Südinsel Neuseelands. Es mutet ein wenig kurios an, jedoch ist es ausgerechnet die deutsche Rebsorte Müller-Thurgau, die dabei den Pionier abgab. Bis in die 1990er Jahre bleibt Müller-Thurgau ((LINK)) Rebsorte Nummer 1, dann folgen die Einführung von Chardonnay und Sauvignon Blanc, die bis heute das Bild der neuseeländischen Weißweine prägen. Aktuell ist mit fast 60 Prozent Sauvignon Blanc die Hauptrebsorte, gefolgt vom roten Pinot Noir – rund 15 Prozent – und Chardonnay mit knapp unter zehn Prozent.

In den Anbaugebieten trifft man aber auch auf die roten Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah sowie Riesling, Gewürztraminer und Pinot Gris. Jedoch landet von diesen eher kleinen Produktionsmengen meist nur wenig im Export. Unser Bild vom neuseeländischen Wein prägen daher der weiße Sauvignon und die wunderbaren Pinot Noirs.

Von Nord nach Süd: zwei Inseln und zwölf Anbaugebiete

Weinland Neuseeland

Knapp 36.000 Hektar zählen die Anbauflächen auf den beiden Inseln, wovon rund zwei Drittel mittlerweile auf der Südinsel liegen. Um das Klima der Anbaugebiete grob einschätzen zu können, hilft folgende Faustformel: Der Norden ist wärmer als der Süden und der Westen ist feuchter als der Osten. Allerdings haben die einzelnen Anbaugebiete ganz eigene klimatische Bedingungen und Bodenverhältnisse, so dass der richtige Weinfreund sich jede Appellation besser einzeln anschaut. Auf der Nordinsel sind sechs Anbaugebiete zu finden.

Nordinsel

Nordinsel Neusseland

Northland

Für europäische Ohren unerwartet, aber das Northland hat ein nahezu mediterranes Klima, das eindrucksvolle Weiß- und Rotweine hervorbringt. Bei den Weißweinen stehen klar Chardonnay, Pinot Gris und Viognier im Vordergrund, die Roten werden zumeist aus Syrah, Pinotage und einer Neuzüchtung namens Chambourcin hergestellt. Die Pinot Grigio zeichnet tendenziell eher reife, und fruchtbetonte Stilistik aus (Apfel, Birne), die sich mit würzigen Noten verbindet. Auch die Chardonnays zeigen sich rund und üppig mit konzentrierten Zitrusaromen und tropischer Frucht.

Auckland

Auckland Wein

Aus den Anbaugebieten rund um die Hauptstadt Auckland kommen vor allem Chardonnay sowie Merlot und Cabernet Sauvignon – und nicht wenige meinen, dass sie zu den besten roten Cuvée im Bordeaux-Stil zählen, die man auf beiden Inseln finden kann. Sie sind nicht so mächtig und fruchtbetont wie die Weine der kühleren Südinsel und sprechen mit ihrer Eleganz und helleren Farbe eher feinsinnige Weinfreunde an. In Auckland finden sich die bekannten Anbaugebiete Henderson, Kumeu und Huapai sowie Waiheke Island, Matakana und Clevedon.

Bay of Plenty und Waikato

Von hier stammen gleichfalls bekannte Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc und Chardonnay, obgleich das Anbaugebiet sicherlich zu den weniger bekannten Neuseelands zählt.

Gisborne

In Gisborne reagierte man am schnellsten auf das Verschwinden des Müller-Thurgau, und setzte schon früh auf Chardonnay und Gewürztraminer. Insbesondere letztere haben international große Beachtung gefunden, da sie sehr intensiv in der Nase sind: neben der klassischen Litschi vor allem Rosenblätter, aber auch Zimt und Ingwer. Die Rotweine aus Gisborne stiften die Rebsorten Merlot, Malbec und Pinotage.

Hawke’s Bay

Hawke's Bay Neuseeland

Einst das größte Anbaugebiets Neuseelands verlor Hawke’s Bay mit dem „Aussterben“ des Müller-Thurgau zunächst an Bedeutung. Inzwischen dominieren hier die Rotweine aus den klassischen französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah – ideal für Cuvée im Bordeaux-Stil. Es sind mächtige Weine mit ordentlicher Struktur, die mit Fruchtaromen von Pflaume und schwarzer Johannisbeere aufwarten.

Wairarapa

Cabernet Sauvignon und Pinot Noir geben in dieser Weinregion den Ton an. Die Weinmacher rund um die Städte Masterton, Gladstone und Martinborough haben sich vor allem mit ihrem Pinot Noir einen Namen gemacht. Es sind dichte Pinots, mit Schokolade und dunkler reifer Pflaume in der Nase und Anklängen von Pfeffer und Gewürzen.

Weitere sechs Anbaugebiete finden sich auf der Südinsel, die zwar erst spät von Winzern und Weinfreunden entdeckt wurde, jedoch mit ihrem kühleren Klima einer eleganteren Stilistik entgegenkommt.

Südinsel

Südinsel Neuseeland

Nelson

Klein, aber fein – das ist das Anbaugebiet Nelson. Seine Pinot Noirs ähneln denen aus Marlborough, besondere Beachtung finden aber auch die Riesling Weine. Ausgebaut in ganz unterschiedlichen Stilistiken sind sie zumeist mit leichter Restsüße ausgestattet und von einer wundervollen Zitrus- und Limettenaromatik.

Marlborough

Marlborough

Dieser Name mag dem Weinfreund am ehesten bekannt sein, denn Marlborough ist mit Abstand die größte Weinregion Neuseelands und umfasst mit Wairau Valley und den neueren Anbaugebieten Fairhall, Hawkesbury und Waihopai fast 25.000 Hektar. Bekannt ist Marlborough für seinen Sauvignon Blanc, der etwas leichter, spritziger und trinkfreudiger daherkommt, als Weine der gleichen Rebsorte von der Nordinsel. Er besticht mit jenen Noten von Stachelbeere, grüner Paprika und Passionsfrucht, die geradezu typisch für einen Sauvignon Blanc aus Neuseeland sind. Die Pinot Noirs von hier gründen ihren Ruf auf Weine mit komplexer, dichter Struktur und strahlenden Kirscharomen.

Sauvignon Blanc 2018
Der wohl bekannteste Sauvignon Blanc
Cloudy Bay
Sauvignon Blanc 2018

Waipara Valley

Besonders dynamisch und experimentierfreudig geht es in Waipara Valley zu. Hier wachsen Sauvignon Blanc, Pinot Gris und Chardonnay, der Weinfreund sollte sein Augenmerk aber vor allem auf die Rieslinge und den Pinot Noir aus Sauvignon Blanc richten. Die Pinots sind körperreiche Weine, mit intensiven Aromen von dunkler Pflaume und Schokolade.

Canterbury

Canterbury Wein

Canterbury liegt in der Nähe von Christchurch, der in den vergangenen Jahren von Erdbeben betroffenen Stadt an der Ostküste der Südinsel. Die eher trockene Ausprägung des kühleren Klimas macht Canterbury zu einem exzellenten Anbaugebiet für Sauvignon Blanc und Pinot Noir.

Waitaki Valley

Das Waitaki Valley ist der Benjamin unter den Weinregionen Neuseelands. Erst im Jahr 2001 wurde das Anbaugebiet, das zwischen Canterbury im Norden und Otago im Süden liegt, ins Leben gerufen. Die meist angebauten Rebsorten sind Pinot Noir, Pinot Gris, Riesling und Gewürztraminer.

Central Otago

Central-Otago Neuseeland

Central Otago gilt als die südlichste Weinregion der Welt, zudem ist das Anbaugebiet das höchstgelegene in Neuseeland. Der Name ist vor allem mit den Pinot Noirs in Verbindung zu bringen, die wegen ihrer Kräuterwürze, den intensiven Beerenaromen und einer knackigen Tanninstruktur bekannt sind. Daneben werden in Central Otago noch Riesling, Pinot Gris und Chardonnay angebaut.

Und damit das ganze keine Trockenübung bleibt, anbei noch zwei Empfehlungen aus unserem Weinfreunde-Shop.

Island Bay Sauvignon Blanc 2019
fruchtig frischer Sauvignon Blanc
Reh Kendermann
Island Bay Sauvignon Blanc 2019

Dieser Sauvignon Blanc aus Marlborough ist ein perfekter Einstieg in die neuseeländische Weinwelt. Er begrüßt die Nase sofort mit intensiver Frucht (Nektarine, Passionsfrucht, Mango, gelbe Stachelbeeren), gibt sich knackig-frisch am Gaumen mit einer nahezu saftigen Struktur. Trinkvergnügen pur. Tipp: Auch im REWE Markt erhältlich!

Old Coach Road Pinot Noir 2016
Wunderbar Weicher Pinot Noir
Seifried Estate
Old Coach Road Pinot Noir 2016

Dieser Pinot Noir aus dem Anbaugebiet Nelson auf der Südinsel umschmeichelt uns mit einem intensiven Duft nach Mandel und Noten von frischer Erdbeere. Und am Gaumen hält dieser Pinot Noir noch eine pfeffrige Überraschung bereit.

 

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