Bouvet-Ladubay:  Erste Adresse für Cremant de Loire

Jürgen Overheid ist unser Mann für die prickelnden Momente im Leben und ein großer Fan von Cremants von der Loire. Also genau der richtige, um uns das Traditionshaus Bouvet-Ladubay näher zu bringen.

Für zwei Dinge wird die Loire in aller Weinwelt gerühmt: Da sind zum einen die mineralisch, frischen Weißweine, mit zarter Frucht und viel Eleganz. Das andere sind die Cremants von der Loire, die ohne Zweifel zu den besten Schaumweinen Frankreichs zählen – den ewig vorgezogenen Champagnern inklusive. Das eher kühle Klima, das in den Appellationen am Oberlauf der Loire noch kontinental geprägt ist, wandelt sich zum maritimen Klima, je näher man der Mündung des Flusses bei Nantes kommt.

Die besondere Allianz, die an der Loire Still- und Schaumwein eingehen, findet ihren gemeinsamen Nenner in den Rebsorten. Es sind Rebsorten, die weniger auf üppige Fruchtaromen setzen, sondern in dem kühlen Klima frische, säurereiche und oftmals sehr mineralische Weißweine hervorbringen. Sauvignon Blanc, Chenin Blanc und Chardonnay stehen dabei in der ersten Reihe. Denn für die Herstellung eines erstklassigen Schaumweines werden weniger die vollreifen, zuckerreichen Trauben benötigt, die Weine mit viel Alkohol ergeben. Vielmehr geht es um besagte Frische, Finesse und zarte Fruchteindrücke, die durch die lange Reife auf der Hefe und feinfühlige Fassreife noch betont werden.

Bouvet-Ladubay: Doppelname des guten Geschmacks

Saumur heißt die Cremant-Hauptstadt an der Loire. Die Appellation gleichen Namens ist zudem Hochburg der Rebsorte Chenin Blanc, so dass die Hersteller der Region insbesondere für ihre Schaumweine aus Chenin Blanc Grundweinen gerühmt werden. Dabei ist das Schaumweinhaus Bouvet-Ladubay an erster Stelle zu nennen. Seit 1851 erfreuen Cremants dieses Namens die Herzen aller Freunde prickelnden Vergnügens. So harmonisch wie Wein und Cremant an der Loire zusammenfinden, so glücklich wird vor über 170 Jahren aus Etienne Bouvet und Celestine Ladubay ein Paar. Als nämlich Etienne Bouvet 1851 riesige Kellergewölbe für die Herstellung und Lagerung von Schaumwein erwirbt, nimmt er auch den Namen seiner Frau auf und schafft so den berühmten Doppelnamen des guten Geschmacks.

Weinkeller Bouvet-Ladubay

Weinkeller von Bouvet-Ladubay | ©Guillaume Satre

Was folgt, erinnert an einen Familienroman oder gar einen Hollywood-Streifen. Bouvet-Ladubay feiert zunächst große Erfolge auch außerhalb Frankreichs. Das Unternehmen wächst und wächst, sogar eine kleine Siedlung für seine Arbeiter errichtet Gründer Etienne Bouvet. Als der Gründervater stirbt, stirbt er kinderlos. Das große Erbe wird zerschlagen und teilweise versteigert. Es folgt ein quälender Abstieg des Hauses und der Marke Bouvet-Ladubay, bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Familie Monmousseau ins Spiel kommt. Justin-Marcel Monmousseau tritt als erster in die Verantwortung, ihm folgen Sohn Jean und Enkel Patrice Monmousseau.

Patrice Monmousseau

Patrice Monmousseau | ©Gerald Angibaud

Bis heute ist Patrice Monmousseau der große Patron von Bouvet-Ladubay. Das Tagesgeschäft leitet inzwischen seine Tochter Juliette. Doch vor diesem Happy End, hat die Familie noch zwei Runden zu drehen. Die aus der Champagne bekannte Taittinger-Gruppe erwirbt 1974 das Haus Bouvet-Ladubay. Besonderheit des Deals: Chef Jaques Taittinger und Patrice Monmousseau verstehen sich bestens, so dass Patrice Monmousseau weiterhin das Cremant-Haus leitet. Noch einmal, gut 30 Jahre später, wechselt der Besitzer erneut. Doch als 2006 die indische United Breweries Group Bouvet-Ladubay erwirbt, bleibt Patrice weiterhin am Ruder. Der neue Investor ermöglicht einen großen Sprung. So werden neue Produktionsanlagen samt bester Keller- und Sekttechnik errichtet. Das Happy End an der Loire rückt näher und findet 2015 seinen glücklichen Abschluss. Patrice Monmousseau kauft mit Unterstützung weiterer Investoren das Traditionshaus zurück.

Par excellence: nur vom besten

Der große Erfolg von Bouvet-Ladubay geht letztlich auf den hohen Anspruch zurück, den der Cremant-Hersteller an sich selbst stellt. Darüber konnte Benoit Defranoux aus dem Hause Bouvet-Ladubay – im Rahmen eines Besuchs bei Weinfreunde vor einiger Zeit – auch persönlich berichten. Mit Blick auf diesen Beitrag habe ich direkt ein paar Dinge nachgefragt. Übrigens bei einem Glas „Réserve“ des Hauses, was dem Gespräch nur zu Gute kam.

„Die ‚Excellence‘ in unserem Anspruch, ist kein Marketing. Das meint ganz konkrete Dinge bei der Herstellung des Cremant“, betont Benoit. „Blanc de Blanc“, heißt sein Stichwort. Gemeint ist damit, dass Bouvet-Ladubay für seine weißen Cremants ausschließlich weiße Trauben verwendet, nämlich exklusiv Chenin Blanc und Chardonnay. Zudem, so Benoit, gebe es bei Bouvet-Ladubay keinen Interessenkonflikt. „Wir machen Cremant, und nur Cremant, keinen Stillwein, so dass wir alles darauf fokussieren können, auch den besten Cremant zu machen.“

Das gilt auch für die Rosé-Cremants, die im Cabernet Franc und weniger bekannten Rebsorten wie Grolleau ihr bestes weiniges Gegenstück finden. Bouvet-Ladubay versteht sein Handwerk, was nicht nur Benoit so sieht. Denn zahlreiche Auszeichnungen und beachtliche Kritikerpunkte gehören zu den Schaumweinen aus Saumur quasi dazu.

Internationales Kritikerlob & Kultur für alle

Bereits in den 1990er Jahren engagiert sich Bouvet-Ladubay für das kulturelle Erbe der Region und die zeitgenössische Kunsts gleichermaßen. Der Cremant-Hersteller renoviert das ehemals private Theater der Familie und öffnet es für das große Publikum. Er modelt das alte Kraftwerk in ein Zentrum für moderne Kunst um und ruft die „Nationalen Tage der Literatur und des Weins“ ins Leben.

Castle of Saumur

Castle of Saumur | ©Sophie Boursier

Erneut ist es eine fruchtbare Beziehung, die damit entsteht. Wie Wein und Cremant, wie Bouvet und Ladubay sind es nun Genuss und Kultur, Meisterschaft in Kunst und Schaumwein, die zusammenfinden. Lassen wir die Kunstkritiker mal außen vor und beschränken uns auf die internationale Weinkritik – da kennt sich Benoit auch deutlich besser aus. Ob Parker-Punkte, Mundus Vini-Gold oder Falstaff Lorbeeren: die Cremants von Bouvet-Ladubay lösen Meisterschaft und versprochene ‚Excellence‘ nachweisbar ein. Und damit kommen wir zu einer letzten harmonischen Paarung, einer, die der Grand Seigneur von Bouvet-Ladubay, Patrice Monmousseau, so beschreibt: Es sei „nichts für die Feinheit der Perlen unbedingt erforderlicher, als die Kunst und die Künstler“. Da wusste dann auch Benoit nichts mehr zu ergänzen. Und so gaben wir uns einem weiteren Glas Kunst hin und wussten nur sinnig zu nicken.

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