Was bedeutet Oechsle?

Oechsle, fälschlicherweise auch Öchsle geschrieben, ist eine Maßeinheit zur Bestimmung des Mostgewichts im Rahmen der Weinherstellung. Sie wurde in den 1820er-Jahren von Christian F. Oechsle entwickelt. Der Oechsle Grad trifft Aussage über den Anteil der im Most gelösten Stoffe – dabei handelt es sich vor allem um Zucker. So ist er bei der Bestimmung der Traubenreife sehr aussagekräftig.

Karl W. aus Bad Homburg wollte es genau wissen, als er eine E-Mail an unser Frag die Weinfreunde Team sendete. Er habe den Begriff Oechsle schon häufig in Verbindung mit Wein gehört, ihm konnte aber bisher niemand erklären, worum es sich dabei genau handelt. Wir übernehmen die kompakte Lehrstunde gerne.

Zunächst muss man verstehen, was der Begriff Mostgewicht bedeutet: Der Oechsle Grad gibt Auskunft darüber, wie viel schwerer der Most im Vergleich zu Wasser ist. Wenn ein Liter Most 1 Gramm schwerer ist als Wasser, besitzt er 1 Grad Oechsle. Ein Liter Most mit beispielsweise 100 Grad Oechsle wiegt demnach 1100 Gramm.

In Deutschland hat der Oechsle Grad bis heute einen großen Stellenwert, denn die einzelnen Stufen von Prädikatsweinen werden auf Basis des Oechsle Grads bestimmt. Mehr dazu auch in unserem Beitrag zu Dessertweinen.

Gemessen wird der Oechsle Grad am häufigsten mit einem sogenannten Refraktometer – ein optisches Messgerät, das durch Lichtbrechung das Mostgewicht bestimmen kann. Je konzentrierter der Most desto stärker wird das Licht gebrochen. Auf einer Skala kann der Oechsle Grad abgelesen werden.

Ein Handrefraktometer ist aufgrund seiner geringen Größe ein viel genutztes Instrument von Winzern, um den Oechsle Grad und damit die Reife der Beeren zu bestimmen. Unverzichtbar, um über den idealen Erntezeitpunkt zu entscheiden.

Wie hat dir der Artikel gefallen?
4,75 Sterne | 4 Bewertungen