Was bedeutet ein feinherber Wein? 

Lars M. aus Cloppenburg teilte uns kürzlich mit, dass ihm auf Weinetiketten immer mal wieder die Bezeichnung „feinherb“ auffällt und er nicht genau weiß, was damit gemeint ist. Unser Weinfreund Jürgen erklärt ihm und uns die Bedeutung dieser Kennzeichnung „feinherber Wein“.

Ich muss gestehen, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Schlichtweg, da die Bezeichnung Feinherb nicht gesetzlich geregelt ist. Wenn man es sich einfach macht, könnte man sagen, dass es ein anderer Begriff der offiziellen Bezeichnung Halbtrocken ist. Doch wie bei so vielen Dingen in der großen Welt der Weine ist es dann doch nicht so einfach.

Ursprünglich wurde der Begriff Feinherb von Winzern an der Mosel eingeführt, um der nicht immer positiven Wahrnehmung der Bezeichnung Halbtrocken seitens der Verbraucher entgegen zu wirken. Dies stieß zunächst auf Gegenwehr der offiziellen Stellen und es brauchte ein Urteil des Oberlandesgerichts in Rheinland-Pfalz, um den Gebrauch des Begriffs auf Weinetiketten zu erlauben. Heute findet man die Bezeichnung auf Etiketten von Weiß-, Rosé- und Rotweinen aus praktisch allen deutschen Anbaugebieten.

Sind Feinherb und Halbtrocken das Gleiche?

Aber was bedeutet Feinherb nun konkret? Da der Zuckergehalt weingesetzlich nicht geregelt ist, gibt es bei diesem Punkt keine präzise Antwort. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass ein feinherber Wein mehr als 9 Gramm Zucker pro Liter enthält, denn dies ist die absolute Obergrenze für einen trockenen Wein. Ein halbtrockener Wein hingegen verfügt über mindestens 12 Gramm Restzucker und maximal 18 Gramm Restzucker pro Liter. So lässt sich feststellen, dass ein feinherber Wein theoretisch in einem Bereich liegt, der über die offiziell als trocken deklarierte Stilistik hinausgeht und wiederum unterhalb eines halbtrockenen Weines angesiedelt ist, also zwischen 9 und 12 Gramm Zucker pro Liter enthält. Auf der anderen Seite können feinherbe Weine aber auch mehr als 18 Gramm Restzucker enthalten, da sie auch bei der Obergrenze nicht an dem Reglement für einen halbtrockenen Wein gebunden sind.

Diese Fälle sind in der Praxis aber eher selten und es lassen sich vor allem feinherbe Weine im Handel finden, deren Restzucker in dem offiziellen Bereich eines halbtrockenen Weines liegen.

Daher ist es für weniger spitzfindige Weinfreunde völlig ausreichend zu erinnern, dass ein feinherber Wein nie trocken ist, sondern immer mit einer leichten Restsüße daherkommt und der Vergleich mit einem halbtrockenen Wein völlig legitim ist. Also doch gar nicht so schwer!

 

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