Warum ist um Rioja-Weine ein Drahtgeflecht?

Der Alambrado, das goldfarbene Drahtgeflecht um die Weinflasche, ist eine vor über 100 Jahren erfundene Maßnahme, um Weinfälschern das Leben schwer zu machen. Inzwischen ist der Draht vielmehr ein Zeichen von Verbundenheit zu einer alten Tradition.

Nikolai T. aus Münster hat sich als Freund spanischer Rotweine geoutet und möchte nun wissen, warum einige spanische Weine, vor allem aus der Rioja, dieses goldfarbene Drahtgeflecht um die Flasche tragen. Reines Dekor oder ein Zeichen von Qualität?

Alambrado: Weinbetrug einzäunen

Ende des 19. Jahrhunderts erlebt das spanische Weinbaugebiet Rioja einen regelrechten Boom. Die Weine sind gefragt wie nie und die besten erzielen enorme Preise. Das lockt Weinfälscher auf den Plan. Sie tauschen sehr guten Rioja gegen schlechteren Wein aus und prellen so Weinliebhaber und Weingüter gleichermaßen. Um den Betrug zu erschweren, lassen sich die Winzer der Rioja den Alambrado einfallen. Das Wort bedeutet im Spanischen Drahtzaun und macht damit deutlich, worum es geht: den Wein gegen Fälschung und Betrug sichern.

Qualitätskennzeichen oder Marketing

Bis heute, verwenden einige Weingüter im traditionellen Bewusstsein des alten, indirekten Qualitätsnachweises den Alambrado. Aber im Umkehrschluss lässt sich keinesfalls behaupten, dass die besten Weine der Rioja im Drahtgeflecht daherkommen. Ruhmreiche Größen wie Bodegas Muga oder die gefeierten Newcomer wie Bodegas Solagüen sind allesamt nackt. Wer auf Qualität achtet, hält sich besser an die Siegel der Denominación de Original calificada (DOCa) und die einschlägige Klassifikation nach Reifegraden in Crianza, Reserva und Co.

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