Warum lässt man Wein atmen?

Was wir zunächst als humorvolle Frage verstanden, hat uns dann doch beschäftigt: „Seit wann kann ein Wein eigentlich atmen?“ fragte uns Charlotte H. aus Niederrad; versehen mit einem zwinkernden Emoji. Unsere Antwort fällt – wie gewohnt – ganz ernsthaft aus.

Das Atmen eines Weins ist der Vorgang, bei dem Wein vor dem Servieren einige Zeit der Luft ausgesetzt wird. Durch den Sauerstoffkontakt kann man sowohl Aromen mildern als auch zusätzliche Aromen freisetzen.

Junge Rotweine, insbesondere die mit einem hohen Tanningehalt, schmecken mit Belüftung häufig harmonischer, da die Gerbstoffe als weicher wahrgenommen werden. Und für Weißwein und Rotwein gilt gleichermaßen: Ein Wein, der sich aromatisch „verschlossen“ gibt, kann vom Kontakt mit mehr Sauerstoff profitieren. Auch ein störender Geruch, der beispielweise durch das Schwefeln von Wein entstehen kann, verflüchtigt sich auf diese Weise. Das gelingt bereits durch das Schwenken des Weins im Glas ziemlich gut.

Falls das nicht zur gewünschten „Öffnung“ des Weins führt, sollte man ihn in einen Dekanter umfüllen. Dort verfügt er über eine größere Weinoberfläche und somit auch über mehr Luftkontakt. Insbesondere bei sehr jungen Weinen mit großem Alterungspotential eine gute Idee. Dazu gibt unser Artikel Dekantieren und Karaffieren detailliert Auskunft.

Sollte man alten Wein atmen lassen?

Auch wenn sich die die meisten Rot- und Weißweine innerhalb der ersten halben Stunde mit erhöhtem Luftkontakt positiv entwickeln, sollte man bei älteren Weinen besser vorsichtig agieren.

Der Grund dafür ist einfach: Da eine Flasche nie zu 100 Prozent dicht ist – vor allem wenn Sie mit einem Naturkorken verschlossen ist – wird der Wein immer einer geringen Oxidation ausgesetzt. Ja nach Reifefähigkeit des Weines kann sich dies früher oder später auch negativ auf den Wein auswirken: Er bekommt störende Oxidationsnoten, die an Sherry erinnern. Durch das Dekantieren eines alten Weines wird dieser Negativeffekt möglicherweise beschleunigt.

Daher gilt für ältere Weine, aber genau genommen für alle Weine: Erst einen Schluck probieren und dann entscheiden, ob der Wein durch das Atmen profitieren könnte.

Ein weiterer Beitrag aus unserem Magazin-Archiv bietet interessante Zusatzinformationen: Korrekte Weinlagerung: einfacher als gedacht.

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